• Wedding à la carte

«Männer in Tutus übernahmen die Aufgabe der Blumenmädchen»

Artikel Blue News von Alex Rudolf


Das Ja zur «Ehe für alle» ist auch ein Ja zu rauschenden Festen: Gibt es Unterschiede zwischen gleich- und verschiedengeschlechtlichen Hochzeiten? Wedding-Planner geben Auskunft.


Originalartikel, publiziert am 26.09.2021 auf Blue News

Das Schweizer Stimmvolk hat gesprochen: Mit überaus deutlichen 64,1 Prozent wird die «Ehe für alle» angenommen. Ab dem kommenden Jahr haben schwule und lesbische Paare dieselben Rechte wie verschiedengeschlechtliche. Fabienne Müller, Vorstandsmitglied des Verbands unabhängiger schweizerischer Hochzeitsplaner VUSH, hofft, dass sich nun mehr gleich-geschlechtliche Paare trauen lassen und die Abstimmung eine Motivationsspritze war.



Gibt es Unterschiede zwischen gleich- und verschiedengeschlechtlichen Hochzeiten?


«Im Kern geht es um Menschen, die sich lieben und den Bund fürs Leben eingehen wollen. Da spielt das Geschlecht keine Rolle.»

F. Müller, Vorstandsmitglied VUSH


In gewissen Fragen tun sich aber dennoch kleine Unterschiede auf: Vergangenes Jahr organisierte Müller für ein schwules Paar eine Hochzeit in Ascona. Ein Programmteil war ein Apéro, der ganz im Zeichen des Regenbogens stand, wie Müller erzählt. Die Gäste waren angehalten, sich im Regenbogen-Tenue anzuziehen, die Dekoration passte dazu.


«Da das Fest mitten in Ascona stattfand, fragte mich das Bräutigam-Paar, ob das Regenbogen-Thema für die Ortsansässigen anstössig sein könnte. Sie hatten Bedenken, dass jemand Probleme macht.» Als Hetero-Paar sorge man sich höchstens, dass der Lärmpegel des Festes nicht zu hoch wird, so Müller. «Das gab mir schon zu denken.»


Strausswerfen ganz ohne Bouquet

Auch hätten homosexuelle Paare schon viel Humor und grosse Verspieltheit an den Tag gelegt. «Einmal übernahmen zwei erwachsene Männer in Tutus die Rolle der Blumenmädchen – das war sehr toll und erfrischend.» Dasselbe Paar verzichtete auch auf das Tragen von Blumen-Bouquets, nicht aber auf das Strausswerfen. «Also entschieden sie sich, einen Plüsch-Vogel-Strauss in die Menge zu werfen.»


Erst diesen Sommer schloss Michael Zangger die Ausbildung zum diplomierten Wedding-Planner ab und richtete bereits eine Hochzeit für ein lesbisches Paar aus. Mit seiner Agentur Passionup Weddings spezialisiert er sich auf die Hochzeiten gleichgeschlechtlicher Paare.


Warum braucht es einen Hochzeitsplaner speziell für Schwule und Lesben? «Einerseits ist das Ausrichten einer Hochzeit eine sehr persönliche Geschichte. Schwule und lesbische Paare wissen genau, dass sie bei mir so sein können, wie sie sind, und es keine Vorurteile gibt.»


«Eine Kollegin berichtete mir etwa, dass eine Fotografin einen Auftrag absagte, weil sie diese Form der Eheschliessung nicht unterstütze.» Michael Zangger Wedding Planner


Der zweite Grund ist rein organisatorischer Natur. Denn es gebe noch immer gewisse Zulieferer, die Probleme damit haben, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten. «Bei mir können sie sicher sein, dass ich mit keinem solchen Unternehmen zusammenarbeite.»


Kommt es oft vor, dass Caterer oder Floristen einen Auftrag fallen lassen, nur weil sie die gleichgeschlechtliche Ehe nicht akzeptieren? Nicht oft, sagt Zangger. «Aber es kommt durchaus vor. Eine Kollegin berichtete mir etwa, dass eine Fotografin einen Auftrag absagte, weil sie diese Form der Eheschliessung nicht unterstütze.»


Auch seien gleichgeschlechtliche Hochzeiten noch nicht im Bewusstsein der Schweizer*innen angekommen, denkt Zangger. Ein lesbisches Brautpaar suchte bei einer Floristin Bouquets aus und diese ging automatisch davon aus, dass es sich nicht um eine lesbische, sondern um eine Doppelhochzeit handle. «Dass zwei Frauen heiraten könnten, kam ihr nicht in den Sinn. Das wird sich nach heute hoffentlich ändern.»


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